29. Juni 2020

Corona-Krise beschleunigt Digitalisierung bei Paracelsus

Klinikgruppe verstärkt digitale Weiterentwicklung und startet erfolgreich neue Tools / Videosprechstunde entwickelt sich in kurzer Zeit zu erfolgreichem Instrument / Unternehmensweite Großprojekte in der Planung und Umsetzung

Videochats statt Konferenzen, Cloud-Working statt zeitaufwändiger Abstimmungen und flexibles Home-Office statt Präsenzpflicht – was in der Corona-Krise vielerorts zum ersten Mal Einzug in den bundesdeutschen Büroalltag fand, hat sich in den Paracelsus-Kliniken bereits in den Wochen der Krise bewährt. „Wir haben vor knapp zwei Jahren damit begonnen, alle unsere Kliniken miteinander zu vernetzen, schnelle Internetverbindungen einzurichten und gemeinsame Software-Plattformen auszurollen“, erklärt Fabian Pritzel, der als Geschäftsführer (CTO) bei Paracelsus für den Bereich Technologie und Innovation zuständig ist. „Die Corona-Krise war unsere Bewährungsprobe und sie hat uns gezeigt, dass unser Konzept aufgeht und sich die Mühe gelohnt hat.“

Ausbau mit Plan und Weitsicht

Seit Mitte 2018, dem Eigentümerwechsel bei Paracelsus, hat Pritzel mit seinem Team alle 18 Standorte miteinander vernetzt, Gigabit-Leitungen mit WLAN und neuer Hardware in vielen Kliniken in Betrieb genommen. Gleichzeitig wurden einheitliche Office-Anwendungen mit Team- und Chatfunktionen installiert und eine eigene App für Mitarbeiter entwickelt. „Wir konnten so in der Corona-Krise bereits auf bewährte digitale Tools zurückgreifen – das war ein großer Vorteil“, berichtet der Geschäftsführer. „Die Mitarbeiter-App hat zum Beispiel einen regelrechten Boom erfahren. Wir konnten dank Cloud-Working Projekte nicht nur online besprechen, sondern auch gemeinsam bearbeiten und sofort an den Start bringen.“

Videosprechstunde schafft Sprung in den Klinikalltag

Auch digitale Innovationen wurden in der Krise erfolgreich gestartet. So ermöglichte Paracelsus mit Unterstützung des Berliner Brainwave Hub eine Videosprechstunde. Das Tool ermöglicht es Patienten und Ärzten über einen gesicherten Server per Videochat miteinander in Kontakt zu treten, ohne sich physisch der Gefahr einer Ansteckung mit COVID-19 auszusetzen. Das technische Prinzip ist einfach: Über die Klinik vereinbart der Patient einen Termin und bekommt einen Link per SMS oder E-Mail zugeschickt. Via Link klickt er sich mit PC oder Handy in das Online-Wartezimmer. Dort beginnt dann der zuständige Arzt ihm eine Videokonferenz. „Wir konnten so – mit Einverständnis der Krankenkassen – Erstgespräche und Begutachtungen durchführen und auch Behandlungen fortführen. Ein enormer Gewinn vor allem für ältere Menschen“, erläutert Fabian Pritzel. Die Idee stieß auf so große Resonanz, dass die Videosprechstunde mittlerweile an fünf Standorten, in Zwickau, Adorf/Schöneck, Kassel, Hemer und Bremen, zur festen Einrichtung im Klinikalltag gehört und es auch als Teil der digitalen Gesamtausrichtung von Paracelsus nach der Corona-Krise bleiben wird.

Frischer Wind für neue Projekte

Auch auf anderen Gebieten setzt Paracelsus nach diesen Erfolgen auf eine verstärkte Weiterentwicklung digitaler Instrumente. So steht im medizinischen Bereich die finale Einführung der digitalen Pflegedokumentation IDA.Care bis zum Ende des Jahres in allen Klinken an. Die Smartphone-basierte App macht eine vernetzte Pflegeplanung sogar mit mehreren Professionen möglich. Auch für Patienten gibt es bei Paracelsus bereits eine App. Zusammen mit dem Teletherapie-Unternehmen CASPAR bietet das Klinikunternehmen seit 2019 eine Nachsorge-App an. Über sie können Patienten per Tablet oder Smartphone Trainingseinheiten zur Physiotherapie absolvieren – und sogar vom zuständigen Arzt oder Therapeuten kontrollieren lassen. In der Planung ist darüber hinaus bereits eine weitere App. Sie soll den Patienten bei seinem Aufenthalt im Krankenhaus begleiten und in naher Zukunft praktische Informationen wie eine Checkliste zum Kofferpacken, digitale Aufklärungsunterlagen und den Gebäudeplan der Klinik ebenso auf dem Smartphone vereinen wie individuelle tagesaktuelle Informationen zu Therapie-Terminen und Speiseplänen. Interaktive Fragebögen zur Aufnahme und zur Entlassung könnten in der App digital hinterlegt werden und so Berge von Papier und ein stundenlanges Erfassen durch Mitarbeiter überflüssig machen. „Beide Seiten, sowohl Patient als auch Klinik, würden so profitieren”, erklärt CTO Fabian Pritzel. „Sogar die Nachsorge wäre über eine integrierte Videofunktion mit Arzt-Chat möglich. Da sind wir in der Planungsphase.” Neues für Patienten gibt es auch direkt am Krankenbett: In Bremen wurden zusammen mit dem Unternehmen Bewatec bereits erste Bedside-Terminals installiert. Über die Multimedia-Geräte mit Touch-Screen kommen nicht nur TV und Telefon ins Patientenzimmer, sondern auch alle wichtigen Informationen rund um das Krankenhaus – von individuellen Therapieplänen über die Öffnungszeiten der Cafeteria bis zur Essensbestellung. Interaktiv lassen sich Inhalte abrufen und auch die Service-Taste ist in das Tablet integriert.

Große Schritte in der Planung

Das bisher ehrgeizigste und größte Projekt von Paracelsus aber ist die Zukunftsvision eines „Medical Archive“. Aus allen Häusern des Klinikunternehmens sollen die Behandlungsdaten zusammenzutragen und ausgewertet werden, um immer bessere Behandlungspfade und Behandlungsmöglichkeiten identifizieren zu können. Zentrales Element können dabei die sogenannten Patient Reported Outcome Measures (PROMs) sein, das sind Fragebögen, die Patienten vor und nach einer Behandlung zu ihrem Gesundheitszustand ausfüllen. An ihnen kann konzernübergreifend nachvollzogen werden, wie die erfolgreichste Behandlung aussieht. Eine weitere Win-win-Situation nicht nur für Klinik und Patient, sondern auch für Krankenkassen und andere Beteiligte im Gesundheitswesen. „Wir arbeiten seit Anfang 2019 daran, eine strukturierte konzernweite Speicherung aller medizinischen Informationen, Patienten-Daten und Fallzahlen als ,Big Data‘ unabhängig von einzelnen Krankenhausinformationssystemen umzusetzen“, so Fabian Pritzel. „Ziel ist eine Wissensbasis, die wir mit Tools unterschiedlicher Art gezielt abfragen können, auch mobil zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir wollen dieses Wissen konzernweit für die Modellierung besserer Behandlungsprozesse nutzen, sehen das System aber auch an Schnittstellen offen für andere Akteure im Gesundheitssystem vom Hausarzt bis zur Nachsorge.“ Durch die Daten sollen aber auch Arbeitsabläufe in den Kliniken weiter verbessert, Pflegepersonal und Ärzte entlastet und Fehlerquellen reduziert werden.