19. Februar 2021

Pandemie lässt Zahl der Schmerzpatienten steigen

  • Psychische und körperliche Belastungen führen zur Entstehung neuer Schmerzen
  • Experten der Paracelsus-Kliniken raten zu rechtzeitiger Behandlung
  • Schmerztherapie in hochspezialisierten Kliniken läuft ohne Unterbrechung weiter

Die Zahl von Patienten mit Schmerzerkrankungen, die durch die Covid-19-Pandemie verursacht oder verschlechtert werden, steigt rasant. Darauf weisen Mediziner der Paracelsus-Kliniken hin, die sich auf die Behandlung von Schmerzpatienten spezialisiert haben. „Rund die Hälfte aller Patienten, die zu uns in die Schmerzambulanz kommen, zeigen derzeit bereits Beschwerden, die auf Belastungen durch die Pandemie zurückzuführen sind“, stellt Eva Maria Hoffmann, Chefärztin und Leiterin der Schmerzambulanz an der Paracelsus-Klinik Bremen, fest. Die Ursachen lägen einerseits auf orthopädischer Seite bedingt durch Bewegungsmangel im Winter-Lockdown und Fehlhaltungen im Homeoffice, andererseits seien sie zunehmend auch psychisch begründet, ausgelöst durch Depressionen, soziale Isolation, Arbeitsplatzprobleme, familiären Stress durch Kinderbetreuung und Homeschooling sowie Angst- und Belastungsstörungen. Kombinationen aus physischen und psychischen Belastungen seien an der Tagesordnung.

Pandemie belastet die Psyche

„Wir wissen heute, dass viele chronische Schmerzerkrankungen maßgeblich durch psychische Belastungen verstärkt, aufrechterhalten oder sogar verursacht werden“, so die Fachärztin für Anästhesiologie. „Wer zum Beispiel im Lockdown sprichwörtlich den Kopf vor Angst einzieht, eine schwere Last zu tragen hat oder große Probleme schultern muss, trägt schnell Schmerzen davon.“ Im Zuge der Pandemie habe sich die Zahl solcher psychosomatischen Fälle deutlich erhöht. Bei Patienten, die bereits vor der Pandemie in Behandlung waren, stellt die Ärztin darüber hinaus immer wieder Verschlimmerungen des Zustands fest, die indirekt durch die Pandemie verursacht werden. „Die Zahl der ambulanten Weiterbehandlungen über 6 Monate und Nachbehandlungen nach einer stationären Schmerztherapie ist deutlich gestiegen“, erklärt sie. „Das liegt daran, dass Angebote wie Reha-Sport oder medizinisches Gerätetraining und Vereinssport gar nicht mehr stattfinden, aber auch die Wartezeiten für einen Psychotherapieplatz sind viel länger.“

Noch mehr Fälle erwartet

Mittelfristig geht die Fachärztin noch von deutlich mehr Schmerzpatienten aus. „Wir rechnen mit einem erheblichen Nachhall-Effekt“, so Eva Maria Hoffmann. „Wir sehen derzeit leider immer wieder, dass sich Menschen mit Schmerzen nicht in stationäre Behandlung begeben, aus  Angst, sich im Krankenhaus mit dem Coronavirus anzustecken. Das ist dank höchster Hygienestandards in unseren Kliniken unbegründet. Wer neu auftretende Schmerzen hat, die trotz hausärztlicher /orthopädischer Betreuung und körperlicher Aktivität nicht verschwinden, sollte frühzeitig in spezialisierte schmerztherapeutische Behandlung. Sonst droht die Gefahr, dass sie sich mit der Zeit immer weiter verschlimmern und chronifizieren. Die Angst führt sogar dazu, dass Krebserkrankungen nicht rechtzeitig erkannt und erst verspätet behandelt werden.“ In der Paracelsus-Klinik Bremen habe man in der Ambulanz eigens verlängerte Sprechzeiten mit einem minutengenauen Takt eingerichtet, um die Zahl der Patienten im Wartebereich zu verringern.

Stationäre Hilfe bei Schmerzen

An den Paracelsus-Kliniken, die in gleich sieben ihrer aktuell 14 Akut- und Fachkliniken und in allen 10 Rehabilitations-Kliniken auf die therapeutische Behandlung von Schmerzen spezialisiert sind, laufen die Behandlungen auch während der Corona-Pandemie unter Berücksichtigung der Hygieneregeln weiter. Bei allen Schmerzen des Rückens, der Nerven, der Gelenke und des Kopfes sowie vielen Formen der Migräne gibt es in den Kliniken und Rehaeinrichtungen ausgezeichnete Diagnostik und maßgeschneiderte, individuelle Behandlung – passend für jeden einzelnen Schmerzpatienten.

Bundesweit bieten die Paracelsus-Kliniken darüber hinaus die Multimodale stationäre Schmerztherapie an, ein Therapieangebot für Menschen mit chronischen Schmerzen. Es wendet sich an Patienten, bei denen der Schmerz die Arbeit, den Alltag, die Freizeit und das soziale Leben einschränkt. Zu den therapeutischen Angeboten gehören neben Anpassung der Schmerzmedikation auch invasive Verfahren wie sonographiegestützte Injektionstherapie, Physio- und Ergotherapie, psychologische Beratung und Entspannungsmethoden. Aber auch spezielle Angebote: So gibt es in Adorf Laseranwendungen, Aromatherapie und die Manual-Therapie Therapeutic Touch, in Bremen Kunsttherapie und Blutegel-Therapie (die Theatertherapie ist coronabedingt pausiert), in Hannover Musiktherapie, in München Qi Gong, Genusstraining und Feldenkrais und in Zwickau Sozial- und Ernährungsberatung sowie Arbeitsplatztraining. Die Paracelsus-Klinik in Düsseldorf-Golzheim schließlich ist seit vielen Jahren und als eines der ersten Krankenhäuser Deutschlands als schmerzarmes Krankenhaus zertifiziert mit dem Ziel, alle Patienten/innen mit akuten Erkrankungen oder nach Operation schmerzarm und zufrieden zu entlassen.  

Multiprofessionelle Suche nach den Ursachen

In den Akuthäusern, Rehakliniken und Gesundheitszentren von Paracelsus werden akute und chronische Schmerzen nicht nur symptomatisch behandelt, sondern auch ihre Ursachen untersucht, damit die Patientinnen und Patienten wieder „zurück ins Leben“ mit weniger Schmerzen und mehr Lebensqualität können. Ein multiprofessionelles Schmerz-Team aus Fachärzten, Speziellen Schmerztherapeuten, Physio- und Ergotherapeuten, Schmerzpsycholog/innen, Pflegefachkräften und besonders ausgebildeten Pain Nurses beschäftigt sich intensiv mit den Patienten und deren Schmerz. In dem Wissen, dass bei chronischen Schmerzen nur ein passender Behandlungsmix Linderung bringen kann, weil körperliches und psychisches Leid zusammenhängen, werden bei Paracelsus individuelle Wege gesucht, um ihn zu bekämpfen und mit ihm besser umgehen zu können – von der ersten Anamnese über die ausgiebige Diagnose und passende Therapie bis hin zu vielfältigen Reha-Maßnahmen.

Folgende Kliniken von Paracelsus sind auf die Behandlung von Schmerzen spezialisiert:

Bildnachweis: Wilfried Gerharz