Arbeitsbezogene und psychische Belastungsstörungen

Erfassen arbeitsbezogener und psychischer Belastungsstörungen

Nach der Portalstudie von Radoschewski (RV-aktuell, Heft 6, 2007) sind arbeitsbezogene Belastungsstörungen bei ca. einem Drittel aller Rehabilitanden zu erwarten. Arbeitsbezogene Belastungsstörungen verbergen sich überwiegend hinter schmerzbezogenen orthopädischen Diagnosen oder psychischen Erkrankungen. Den Wechselwirkungen einer eingeschränkten körperlichen Funktionsfähigkeit mit arbeitsplatzbezogenen und psychosozialen Kontextfaktoren wird bislang zu wenig Bedeutung beigemessen. Langzeitarbeitsunfähigkeiten über 3 Monate sowie eine subjektive negative Rückkehrprognose verhindern eine aktive Handlungsorientierung, führen zu Chronifizierungen und damit nicht selten zu Entlassungen, Arbeitslosigkeit und Berentungswünschen.

In seiner Literaturübersichtsarbeit analysierte Bethge (Der Orthopäde, 2010) 6 psychosoziale arbeitsplatzbezogene Belastungsfaktoren, die in internationalen randomisierten Studien einen signifikanten Einfluss auf die Rückkehrprognose an den Arbeitsplatz ausübten:

  • Unterstützung durch Vorgesetzte
  • Unterstützung durch Kollegen
  • Entscheidungsspielraum
  • Psychosoziale Arbeitsanforderungen
  • Subjektive Erwerbsprognose
  • Arbeitszufriedenheit

In einem ausführlichen explorativen Interview werden gezielt diese psychosozialen Belastungsfaktoren analysiert, um ggf. konkrete Handlungsorientierungen einzuleiten.

Erweitert wird der Bezug zur Arbeit durch wissenschaftlich anerkannte, standardisierte Fragebögen, die uns helfen, das arbeitsbezogene Verhalten und Erleben zu erfassen und begleitende psychosoziale Risikofaktoren zu erkennen. Hierzu werden das subjektive Schmerzerleben, psychische Begleiterkrankungen, ein begleitendes Angst- Vermeidungsverhalten ebenso in die Gesamtbegutachtung mit einbezogen wie personenbezogene Kontextfaktoren im Sinne der Internationalen Klassifikation der Funktionalität und Gesundheit (ICF) der WHO.