Polyneuropathien

Bei einer Polyneuropathie liegt eine Schädigung des peripheren Nervensystems (PNS) vor, die mehrere Nerven betrifft. Hierzu zählen sämtliche Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Die neurologischen Fachärzte der Abteilung behandeln sowohl angeborene als auch erworbene Formen der Polyneuropathie.

Die unangenehmen Nervenschmerzen und Missempfindungen sind zumeist Folge einer anderen Grunderkrankung. Es sind sehr viele Faktoren bekannt, die eine solche Neuropathie auslösen können. Häufigste Ursache ist Diabetes, eine Alkoholerkrankung, eine Vergiftung oder Infektionskrankheiten. Auch bestimmte Medikamente oder eine Tumorerkrankung können eine Polyneuropathie hervorrufen. Bei 20 bis 30 Prozent der Betroffenen sind die Ursachen jedoch unbekannt, man spricht dann von einer Idiopathischen Polyneuropathie.

Symptome
Je nachdem, ob motorische, sensorische oder autonome Nerven betroffen sind, gestaltet sich auch die Intensität und die Lokalisation des Schmerzes. Oft machen sich Symptome der Polyneuropathie zunächst an Beinen und Füßen bemerkbar. Die Nervenschmerzen treten als Dauerschmerz oder als plötzlich einschießende Schmerzattacke auf, häufig verbunden mit Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühlen in den Extremitäten oder einer übersteigerten Schmerzempfindlichkeit.

Diagnostik

Wichtig für die Diagnose ist zunächst festzustellen, welche Nerven betroffen sind und ob es sich dabei um die Nervenfasern selbst oder die bindegewebige Umhüllung der Nerven handelt.

Anamnese
Der Neurologe erfragt Stärke, Art und Weise, Ort und Häufigkeit der Schmerzen. Ferner werden Begleiterkrankungen, Alkoholkonsum, Ernährungsgewohnheiten, Arbeits- und Lebensumstände und Medikamenteneinnahme erfasst.

Elektroneurographie und Elektromyographie

Mit diesen neurologischen Untersuchungsverfahren kann die Funktionalität einzelner Nerven und Nervenwurzeln gemessen werden.

Quantitative Sensorische Testung an der Paracelsus-Klinik Osnabrück

Quantitative Sensorische Testung
Die im Rahmen des Deutschen Forschungsverbandes Neuropathischer Schmerz (DFNS) entwickelte Quantitative Sensorische Testung (QST) besteht aus einer ganzen Serie von Tests, mit der unterschiedliche Qualitäten von Empfindungen erfasst werden. Dies sind u.a. Wärme-/Kälteempfinden, Schmerzempfinden bei stumpfen Nadelstichen oder die Schmerzschwelle bei Berührung mit Wattebausch oder Pinsel. Für die wissenschaftliche Anwendung der QST nach DFNS-Standard erhielten der Chefarzt der Abteilung, Dr. Bachmann, und sein Forscherteam 2010 den Deutschen Förderpreis für Schmerzforschung. Die gesammelten Messergebnisse geben exakten Aufschluss über die Art des Schmerzes, was insbesondere wichtig ist, um Schmerzen aufgrund von Nervenschädigung abzugrenzen gegenüber Schmerzen, bei denen das Nervensystem intakt ist.

Therapie

Wenn sich eine auslösende Grunderkrankung feststellen und sich diese gut behandeln lässt, bessert sich in vielen Fällen auch die Polyneuropathie.

Wenn eine Beseitigung bestehender Nervenschmerzen jedoch nicht möglich ist bzw. die Ursache unbekannt ist, geht es darum, durch aufeinander abgestimmte therapeutische Maßnahmen den Schmerz mindestens zu lindern und ein Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen. Folgende Therapien können unserer Erfahrung nach wirksam sein:

  • medikamentöse Therapie aufgrund eines individuell erstellten Schmerzprofils
  • Physikalische- und Ergo-Therapie
  • Akupunktur
  • psychologische Verfahren wie z.B. die Verhaltenstherapie zur Schmerzbewältigung