Angststörungen

Behandlungskonzept für Patienten mit Angst- und Panikstörungen

Die Behandlung von Angst- und Panikstörungen stellt einen der Behandlungsschwerpunkte der Paracelsus-Roswitha-Klinik dar.

Angst ist wahrscheinlich das grundlegendste unserer Gefühle. Jeder hat sie schon einmal erlebt, sie ist ein wichtiger Bestandteil unseres täglichen Lebens. Sie kann in hektischen oder kritischen Lebenslagen unsere Aufmerksamkeit erhöhen und ermöglicht so eine bessere Anpassung an die Situation. Wenn wir keine Angst hätten, würden wir uns zum Beispiel auf Prüfungen oder Bewerbungsgespräche nicht ausreichend vorbereiten. Ohne Angst würden wir unbekümmert auch belebte Straßen überqueren: Die Angst, überfahren zu werden, zwingt uns zur Vorsicht und zu wohlüberlegtem Handeln. Ein gewisses Maß an Angst ist für uns also (über)lebensnotwendig.

Bei manchen Menschen ist das "Alarmsystem Angst" jedoch überempfindlich geworden. Schon bei kleinsten, ungefährlichen Veränderungen in der Umgebung, aber auch im eigenen Körper kann dann eine intensive Angst auftreten. Wenn sich dieser Vorgang immer häufiger wiederholt und verselbstständigt, kann bei diesen Menschen Angst immer häufiger auch ohne Auslöser auftreten. Es kommt zu starken körperlichen Reaktionen, wie Benommenheit, steifen und schmerzenden Muskeln, Taubheit und Kribbeln in einzelnen Körperteilen, Herzrasen oder Atemnot und dem Gefühl, ersticken zu müssen. Erkennen die Betroffenen die Ursachen für diese Empfindungen nicht, so kann die Angst in einen Zustand von Panik einmünden.

Vielfach kommt es bei den Betroffenen zu einem starken Rückzug aus dem Alltagsleben. Orte oder Situationen, in denen schon einmal Angst aufgetreten ist, werden gemieden. Am Anfang fühlt sich der Angstpatient dabei noch sehr gut, er glaubt, seine Ängste im Griff zu haben. Doch die Angst dehnt sich jetzt auf immer mehr Lebensbereiche aus, was zu immer stärkeren Einschränkungen für den Betroffenen führt. Schließlich kann der Angstpatient kaum noch seine Wohnung verlassen, ohne stärksten Angstgefühlen ausgesetzt zu sein, ein so genannter "Teufelskreis der Angst" hat sich ausgebildet.

Ein solcher Teufelskreis kann an jeder Stelle in Gang gesetzt werden: Er kann durch negative Gedanken ebenso wie durch die Wahrnehmung körperlicher Veränderungen ausgelöst werden. Entscheidend ist dabei, dass diese inneren Reize (vor allem körperliche Veränderungen) als Gefahrensignale interpretiert und somit stärker werden. Erst dadurch kommt der Angst-Aufschaukelungsprozess so richtig in Gang. Angstanfälle entstehen also als eine Reaktion auf die Wahrnehmung und Bewertung innerer Reize.

Die einzelnen Behandlungselemente im Überblick

Bezugstherapeut

Der Bezugstherapeut (Dipl.-Psychologe oder Arzt) erarbeitet mit dem Patienten ein individuelles Krankheitsmodell und die konkrete Zielsetzung der Behandlung und entwickelt daraus mit ihm gemeinsam einen Therapieplan. Darin werden die einzelnen Therapiebausteine je nach den besonderen Erfordernissen des Krankheitsbildes individuell gewichtet (Einzeltherapie, Basisgruppentherapie, Angstbewältigungsgruppe, Körperwahrnehmungs- und Entspannungsverfahren, Sport-, Trainings- und Physikalische Therapie, Yoga und anderes).

Bezugsarzt

Der Bezugsarzt führt die medizinischen Untersuchungen durch. Er bespricht mit dem Bezugstherapeuten die körperlichen Belange des Patienten und leitet die entsprechend erforderliche Mitbehandlung in die Wege. Er steht dem Patienten während des gesamten Aufenthaltes bei behandlungsbedürftigen oder neu auftretenden körperlichen Beschwerden zur Seite.

Einzelpsychotherapie

Im Rahmen der Einzeltherapie geht es zunächst darum, mit dem Bezugstherapeuten ein gemeinsames Verständnis der Krankheit, ihrer Auslöser und aufrechterhaltenden Bedingungen zu entwickeln, anschließend um eine eventuell erforderliche Integration gruppenpsychotherapeutischer Therapieelemente und schließlich um die Bewältigung der häufig begleitenden Probleme im Lebensalltag des Patienten. Diese können beispielsweise im sozialen Umfeld oder in der Lebensgeschichte des Patienten liegen. Erforderlichenfalls können hier auch die begleitenden psychischen Belastungen, zum Beispiel zusätzlich zur Angst bestehende Depressionen, aufgegriffen und therapeutisch bearbeitet werden.

Angstbewältigungsgruppen

Das Ziel dieser Gruppen orientiert sich an einem selbstverantwortlichen, aktiven und realitätsnahen Umgang mit den Problemen der Angst. Zunächst wird ein Krankheitsmodell vermittelt, das zum einen die Erklärung der Erlebensweisen, zum anderen die Schlussfolgerungen, die sich daraus für die Therapie ergeben, beinhaltet. Hierbei wird der Schwerpunkt auf die Verdeutlichung von gedanklichen Fehlinterpretationen und ihren Folgen gelegt. Hieran schließen sich die Erarbeitung und Umsetzung von Bewältigungsstrategien an. Dazu gibt es bestimmte Übungen und Ansätze, die den Kern der Gruppentherapie bilden.

Im gesamten Therapieablauf werden therapeutische Aufgaben und Techniken eingesetzt, um Stärken, Fähigkeiten und Erfolgserlebnisse bewusst zu machen. Im Weiteren können diese positiven Kräfte genutzt werden, um geplante Veränderungen durchzuführen und eine langfristige Stabilität zu erreichen.

Entspannungstraining

Bei Patienten mit chronischen Ängsten ist die haltungsbedingte Anspannung von Muskulatur und Bindegewebe häufig an der Aufrechterhaltung des Problems beteiligt. Auch eine starke Anstrengung, trotz der Beschwerden den Lebens- oder Berufsalltag zu bewältigen, führt meist zu einer weiteren Anspannung, die wiederum einen ungünstigen Einfluss ausübt. Aus diesem Grund ist es erforderlich, durch gezieltes Entspannungstraining eine Reduktion des Stressniveaus zu erreichen. Hierzu können progressive Muskelrelaxation (JACOBSON), autogenes Training und Yoga erlernt werden.

Basisgruppe

Die Ängste und ihre begleitenden Probleme in anderen Lebensbereichen, zum Beispiel in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit, sowie jene Probleme, die im lebensgeschichtlichen Hintergrund des Patienten liegen, können im Rahmen dieser Gruppe bearbeitet werden. Mit Hilfe vorhandener Arbeitsmodelle werden sowohl konkrete Problemlösungen erarbeitet als auch ein übergeordnetes Modell vermittelt, das die Teilnehmer dann auch außerhalb der Gruppe selbstständig anwenden können.
Indikative Psychotherapiegruppen:
Bei Bedarf kann die Behandlung ausgeweitet werden. Bei entsprechenden Begleiterkrankungen stehen folgende weitere Gruppentherapieangebote zur Verfügung: 

  • Depressions-Bewältigungs-Gruppen
  • Schmerz-Bewältigungs-Gruppen
  • Training sozialer Kompetenzen
  • Stress-Bewältigungs-Training
  • Tinnitus-Bewältigungs-Training
  • Adipositas-Bewältigungs-Gruppe

Sport-, Bewegungs- und Trainingstherapie und Krankengymnastik

In diesen Bereich gehören Walking, Jogging, Muskelaufbautraining, Ergometertraining, Bewegungsbäder, Schwimmkurse und bei Bedarf gezielte Krankengymnastik, die entsprechend den individuellen Entstehungs- und Erhaltungsbedingungen der Angst individuell genutzt werden können.

Kreative Gestaltungstherapie

Die Gestaltungstherapie, die teils den Gruppen zugeordnet, teils den Patienten frei zugänglich ist, bietet die Möglichkeit, durch kreative Medien einen verbesserten Zugang zum eigenen Erleben zu finden. Dadurch werden Aufmerksamkeitslenkungsprozesse angeregt und kreative Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen.

Medikamentöse Therapie

Eine medikamentöse Behandlung kann einerseits sinnvoll sein, um den Einstieg in die Psychotherapie zu erleichtern, bei bestimmten Medikamenten und länger dauerndem problematischen Gebrauch aber auch Nachteile in sich bergen, besonders dann, wenn offensichtlich hierdurch eine aktive Angstbewältigung verhindert wird. Dies wird im Einzelfall mit dem Patienten detailliert geklärt.