29. August 2022

Abteilung für Gynäkologie / Geburtshilfe schließt – Stärkung der Regel- und Spezialversorgung

Die Paracelsus Klinik Henstedt-Ulzburg wird die Leistungen rund um die Geburtshilfe und Gynäkologie deutlich reduzieren und letztlich einstellen / Zukunftssichere Ausrichtung auf komplementäre Leistungen stärkt die künftige Regel- und Spezialversorgung / Klinik kann sich damit künftig besser in der Versorgungsregion behaupten

Anlass für die Entscheidung, mit der Klinik einen insoweit deutlichen Strukturwandel vorzunehmen, waren die geplanten und zu erwartenden Rahmenvorgaben für die geburtshilfliche Versorgung, die nicht unerhebliche zusätzliche Ressourcen erfordern. Hinzu kommen die von der Regierungskommission des Bundes für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung vorgelegten Empfehlungen zur Finanzierung der Geburtshilfe sowie die zunehmend erschwerten Rahmenbedingungen im derzeit stark gebeutelten deutschen Gesundheitswesen. Der Entscheidung vorausgegangen waren strukturelle und personelle Veränderungen innerhalb der Klinik. So wird beispielsweise eine ausreichende kinderärztliche Versorgung am Standort nicht mehr gegeben sein, die bisherige Kooperation mit einer Level 1-Einrichtung für die Weiterverlegung bei Komplikationen wurde der Klinik gekündigt.

Die sich verändernden regulatorischen Rahmenbedingungen sehen unter anderem verschärfte Ausschlusskriterien vor, um die Versorgungsqualität und Sicherheit insbesondere für Neugeborene dauerhaft sicherzustellen: Danach sollen z.B. geburtshilfliche Abteilungen des Level IV – wie in Henstedt-Ulzburg – Geburten von Frauen mit einem höheren Risiko nicht mehr begleiten. Dazu zählen auch Frauen, die jünger als 18 Jahre oder älter als 35 Jahre sind. Auch die noch einmal deutlich aufgestockten Anforderungen an die personelle Ausstattung hinsichtlich Qualifikation, Anzahl oder auch zeitlich streng vorgegebener Verfügbarkeit, könnte die Klinik zukünftig nicht mehr sicherstellen.

„Wir begrüßen ausdrücklich die Bemühungen seitens der Politik, eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Geburtsmedizin sicherzustellen. So ist es nur allzu verständlich, dass die geplanten neuen Regularien neben der Geburtshilfe immer auch eine pädiatrische Abteilung unter einem Dach fordern. Für eine Klinik unseres Zuschnitts bedeutet dies jedoch, dass unsere personellen und strukturellen Ressourcen den Anforderungen nicht mehr entsprechen. Die kommenden regulatorischen Veränderungen und die bereits erfolgten Veränderungen seitens der Klinik zusammengenommen, haben in der Gesamtschau die Entscheidung zur Schließung der Abteilung zwingend erfordert, um die langfristige Substanz und damit die Existenz der Klinik nachhaltig sicherzustellen“, erklärt Sebastian Margaschewski.

Geburtshilfliche Leistungen in der Region gewährleistet

„Wir wissen, dass der wohnortnahe Bestand einer geburtshilflichen Abteilung immer mit vielen Emotionen verbunden ist. Wir können die Wünsche und Sorgen von vielen Schwangeren und werdenden Eltern nachvollziehen. Auch wir bedauern es sehr, dass wir uns zu diesem Schritt gezwungen sehen“, erklärt Margaschewski weiter. Sorgen, dass fortan eine mangelnde flächendeckende geburtshilfliche Versorgung drohe, tritt die Klinikleitung entgegen: „In der Region ist eine ausreichende und qualitativ exzellente geburtshilfliche Versorgung gewährleistet. Werdende Eltern sind auch dort weiterhin in den allerbesten Händen “, so Sebastian Margaschewski. Die umliegenden Kliniken werden über die sich verändernde Situation informiert.

„Trotz steigender Geburtenzahlen in den vergangenen zwei Jahren, die sich nicht zuletzt dem unermüdlichen Engagement unseres Gynäkologischen Chefarztes Dr. Bühler und seinem Team verdanken, ist unter diesen Beschränkungen ein dauerhaft subventionsfreier Betrieb der Abteilung schlechterdings unmöglich und würde langfristig das Fortbestehen der gesamten Klinik gefährden“, ergänzt Margaschewski nochmals.

Letztlich sind die Verantwortlichen überzeugt, dass die Veränderungen innerhalb des Leistungsangebotes der Klinik die richtige Weichenstellung für den Fortbestand der Klinik bedeuten. Am Standort Henstedt-Ulzburg baut Paracelsus dabei auf ein tragfähiges Zukunftskonzept, das der zunehmenden Ambulantisierung, Zentralisierung und Digitalisierung innerhalb des Krankenhauswesens entspricht. Fundamentale Säulen der künftigen Ausrichtung werden der Ausbau der verbleibenden Fachgebiete mit ihren Leistungsangeboten sowie die Fokussierung auf die qualitativ hochwertige wohnortnahe Notfallversorgung der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis und Umgebung sein. Ziel ist es, die Paracelsus Klinik weiter zu einem Gesundheitsstandort auszubauen, der zusammen mit starken Partnern im Gesundheitswesen die sektorenübergreifende, stationäre und notfallmedizinische Versorgung in klar definierten Leistungsbereichen auf hohem Niveau abdeckt und somit Strahlkraft über das jetzige Einzugsgebiet hinaus erlangt. Umfängliche Investitionen in Medizintechnik, Ausstattung und Qualifizierung stehen deshalb hoch oben auf der Agenda.