30. September 2020

Bundesweiter Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 30. September 2020

Auf dem Weg zu einer dauerhaften Glücksspielabstinenz durch spezifische Therapieangebote in den Paracelsus-Kliniken Bad Essen

Jährlich am letzten Mittwoch im September findet der bundesweite „Aktionstag gegen Glücksspielsucht“ statt, der die Gefahren und das Suchtpotential von Glücksspiel bundesweit in den Vordergrund rückt. Neueste Zahlen gehen von 400.000 bis 450.000 Glücksspielsüchtigen in Deutschland aus. Dem gegenüber stehen über 46 Millionen € Umsatz auf dem legalen deutschen Glücksspielmarkt in 2018.

„Die Pathologische Glücksspielsucht ist immer noch ein unterschätztes Risiko, insbesondere weil das Einstiegsalter durch Online-Spielangebote weiter sinkt“, erläutert Ulrich Büscher, Leitender Psychologe der Paracelsus-Wittekindklinik. „Insofern begrüße ich das neue niedersächsische Glücksspielgesetz und bewerte es als einen ersten guten Schritt, um pathologische Glücksspieler zu schützen.“ Aus seiner Erfahrung heraus fragen Patienten oft nach Möglichkeiten, gesperrt zu werden, da ihre Selbst- und Impulskontrolle gerade zu Behandlungsbeginn noch nicht so ausgeprägt sei, dass sie es von allein schaffen, „ihrer“ Spielhalle fernzubleiben. Dabei müsse gewährleistet sein, so Büscher, dass wirklich kontrolliert werde und gesperrte Spieler tatsächlich am Einlass gehindert würden. „Darüber hinaus sollte dieses Gesetz bundesweit umgesetzt werden, damit ein Ausweichen auf andere Bundesländer vermieden wird“, ergänzt Ulrich Büscher.

Neues niedersächsisches Glücksspielgesetz in Kraft

Um Glücksspieler stärker zu schützen und klarere Kriterien für die niedersächsischen Kommunen zum Auswahlverfahren von Spielhallen vorzugeben ist zum 1. Juni 2020 das neue niedersächsische Glücksspielgesetz in Kraft getreten. Neu ist der Aufbau einer landesweiten Spielersperrdatei für pathologische Spieler. Sperreinträge können seit dem 1. Juni 2020 sowohl von Spielern als Selbstsperre aber auch durch Fremde erfolgen. Beim Einlass in eine Spielhalle sind zudem alle niedersächsischen Spielhallenbetreiber verpflichtet, die Sperrdatei auf Einträge zu kontrollieren. Ist ein Eintrag vorhanden, besteht die Verpflichtung, den Zutritt zur Spielhalle zu verwehren.

Komplettes Spektrum der pathologischen Glücksspielsucht in Bad Essen behandelbar

Seit 2017 bieten die Paracelsus-Kliniken Bad Essen mit ihrem spezifischen Behandlungssetting gezielt Hilfe bei einer bestehenden Glücksspiel- bzw. Medienabhängigkeit. Dabei ist die Möglichkeit zur Behandlung des kompletten Spektrums der pathologischen Glücksspielsucht am Standort Bad Essen einzigartig in Niedersachen. „Im Rahmen unseres multimodalen tiefenpsychologisch/analytisch-orientierten Therapiekonzeptes findet zum einen eine biographische Auseinandersetzung über Hintergründe, Auslöser und Entwicklung der Spielsucht statt, um Prozesse bewusst zu machen, zu verstehen und zu verändern. Zum anderen erfolgt im Rahmen der themenzentrierten Interaktionsgruppe „Pathologisches Glücksspiel“ eine Beschäftigung mit konkreten Fragen rund um das Thema Spielen wie Rückfallprophylaxe, Umgang mit Geld, Spielgedanken, Umgang mit Spielverlangen, Vor- und Nachteile des Spielens bzw. der Abstinenz oder Umgang mit unangenehmen Gefühlen“, fasst Büscher das Therapiekonzept der Paracelsus-Wittekindklinik zusammen. Eingebettet sind diese spezifischen Angebote in das gesamte stationäre Setting der Klinik unter anderem bestehend aus vielfältigen Kunst-, Kreativ- und Arbeitstherapien oder Sporttherapie. Insbesondere die sozialarbeiterische Betreuung gehört in diesem Setting ebenfalls zu den Hauptbestandteilen der Therapie. Zudem spielt der Abstand zu privaten Lebenssituationen im stationären Setting eine wichtige Rolle.

Präventiv sieht Büscher ein Verbot der Glücksspiel-Werbung als wirkungsvolle Maßnahme an. In der Werbung werde suggeriert, man könne etwas gewinnen, bekomme einen Bonus oder ein Guthaben geschenkt. Zudem werden Prominente oder Sportler als Werbegesicht eingesetzt. „All die flackernden Gewinn vortäuschenden Angebote im Internet laden dazu ein, „es mal auszuprobieren“ und schon setzt sich der Teufelskreis in Gang“, verdeutlicht Büscher.