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9. Juni 2022

Erste-Hilfe: Prüfen – Rufen -Drücken

Traurig, aber leider wahr: In einer Notfallsituation traut sich die Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht, Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen – und das schon seit Jahren. Grund hierfür ist in den meisten Fällen die Angst, beim Helfen etwas falsch zu machen, die Situation noch zu verschlimmern, oder gar für eventuelle Fehler haftbar gemacht zu werden.

Mit einigen Mythen und Vorurteilen möchte Dr. Matthias Helt, Leitender Arzt der Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin der Paracelsus Klinik Henstedt-Ulzburg, aufräumen: „Niemand braucht Angst davor zu haben, Fehler zu machen. Der einzige wirklich gravierende Fehler ist, nichts zu unternehmen.“

Wichtig zu wissen ist: Ersthelfer müssen nur die meist geringe Zeitspanne zwischen ihrer Ankunft am Unfallort und dem Eintreffen des Notarztes überbrücken. In Deutschland sind das statistisch gesehen lediglich acht bis zwölf Minuten. „Wird sie engagiert genutzt, kann das in vielen Fällen Leben retten“, so Dr. Matthias Helt.

Was vielen Menschen nicht bewusst ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich in einem Notfall anstatt um eine völlig fremde Person um einen nahestehenden Angehörigen handelt, ist wesentlich größer.

Deshalb ist es sinnvoll, Vorerkrankungen (beispielsweise Diabetes, Epilepsie, Herz-/Kreislaufprobleme) in der Familie und im Freundeskreis zu kennen und sich schon im Voraus gedanklich auf einen möglichen Notfall vorzubereiten.

„Vergessen Sie alle Studien und Anleitungen zur Wiederbelebung, die Sie irgendwann einmal gehört haben. Merken Sie sich vielmehr den Erste-Hilfe Leitsatz: PRÜFEN-RUFEN-DRÜCKEN!“ – so bringt es Dr. Matthias Helt auf den Punkt.

Das bedeutet: „Prüfen“, ob mein Gegenüber ansprechbar ist, „rufen“ Sie ärztliche Hilfe (also tätigen Sie den Notruf 112) – und anschließend: „Drücken“ im Sinne einer Herz-Druck-Massage, ca. 100 Mal pro Minute.
Auf eine Mund-zu-Mund-Beatmung bei Erste-Hilfe Maßnahme kann im Zweifel verzichtet werden, denn kurzfristig geht es vielmehr darum, dass der noch vorhandene Sauerstoff im Blut zirkulieren muss. Denn nicht zuletzt in Corona-Zeiten schreckt die Angst vor einer eigenen Infektion viele Ersthelfer ab. „Überlassen Sie das ruhigen Gewissens den Profis“, beruhigt Dr. Helt.

Grundsätzlich rät der Experte allen Menschen dazu, sich regelmäßig mit dem Thema Erste-Hilfe zu beschäftigen und einen Kurs zu besuchen. „Er sorgt nicht nur dafür, dass man im Ernstfall genau weiß, was zu tun ist, sondern es verleiht auch ein gutes Gefühl, wenn man davon ausgehen kann, dass man im Fall eines Notfalls schnell und richtig reagieren kann. Wichtig ist, bei den Kleinsten anzufangen und das Thema „Erste-Hilfe“ in den Schulen zu etablieren.

Außerdem können die mittlerweile zahlreichen Smartphone-Apps wie die vom Roten Kreuz oder der Malteser sehr hilfreich sein. Diese „Erste Hilfe“-Apps bieten eine interaktive Begleitung in einer Notfallsituation und helfen auf spielerische Weise, das richtige Verhalten in Grenzsituationen zu üben.

Informationen zur Notaufnahme der Paracelsus Klinik Henstedt-Ulzburg finden Sie hier