25. Juni 2021

Blut im Urin: Ursache Blasenkrebs?

Wer beim Wasserlassen Blut im Urin hat, sollte in jedem Fall zum Arzt gehen. Denn möglicherweise ist die Ursache dafür eine Blasenentzündung, Harnsteine oder auch Blasenkrebs.

Wer Blut im Urin hat, leidet an einer so genannten Hämaturie. Dabei kann das Blut mit dem Auge sichtbar (Makrohämaturie) oder ausschließlich mikroskopisch nachweisbar sein (Mikrohämaturie). Die Makrohämaturie kann schmerzhaft oder schmerzlos sein. Selbst wenn unsere Patienten keine Schmerzen haben, nehmen wir sie stationär ein paar Tage auf. Warum das so ist, erklärt Dr. med. Frantisek Kunec, Oberarzt für Urologie an der Paracelsus-Klinik Golzheim Düsseldorf.

Dr. Kunec, warum muss ein Patient, der Blut im Urin hat, aber keine Schmerzen verspürt, stationär aufgenommen werden?

Eine schmerzlose Makrohämaturie ist immer verdächtig und kann auf einen Harnblasentumor hinweisen. Bei einer akuten Blutung kann die Blase mit Blut verstopfen (Harnblasentamponade), eine echte Notfallsituation. Deswegen werden die Patienten in der Notfallambulanz zunächst mit einem Spülkatheter versorgt. Zur weiteren Diagnostik und Therapie nehmen wir den Patient für vier bis fünf Tage stationär auf. So können wir Blasenkrebs sicher ausschließen bzw. einen fundierten Befund stellen. Die Basisdiagnostik in der Notfallambulanz umfasst u.a. eine Urinuntersuchung, eine Blutuntersuchung durch das Labor und eine Ultraschalluntersuchung. Sobald die Blutung zum Stillstand gekommen ist, folgen weitere Untersuchungen im Blasenzentrum der Paracelsus-Klinik Düsseldorf. Dazu gehört eine Harnröhren- und Blasenspiegelung (Urethrozystoskopie) und die Bildgebung des oberen Harntraktes.

Was sind mögliche Ursachen, wenn man Blut im Urin hat?

Die Ursachen der Makrohämaturie sind vielfältig. Neben der Diagnose Blasenkrebs können auch unterschiedliche Nierenerkrankungen die Ursache für Blut im Urin sein. Auch eine Blasenentzündung, Harnsteine oder angeborene Fehlbildungen des Harntraktes können eine solche Hämaturie verursachen. Es kann sich aber eben auch um ein Anzeichen für eine bösartige Tumorerkrankung handeln, wie zum Beispiel Blasenkrebs oder Prostatakrebs. Und es ist eben keineswegs so, dass die Makrohämaturie schmerzhaft ist. Auch bei sehr ernster Ursache kann der Betroffene schmerzfrei sein.

Welche Behandlung erfolgt, wenn es sich um Blasenkrebs handelt?

Wenn trotz Spülung weiterhin Blut im Urin auftritt, wird eine Notfall-Operation eingeleitet. Handelt es sich um einen Blasentumor, werden wir zunächst den Blasentumor entfernen. Der Eingriff erfolgt endoskopisch durch die Harnröhre. Die Blutstillung erfolgt mittels Elektroden (Elektrokoagulation). So können wir die Diagnose sichern und vor allen Dingen das Tumorstadium bestimmen. Je nachdem, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, entfernen wir im weiteren Therapieverlauf ggf. die Blase komplett. Auch Chemo- und/oder Strahlentherapie sind mögliche weitere Therapiebausteine.

Wo sind die Blutungsquellen im Harntrakt?

Die Blutungsursache kann im gesamten Bereich der ableitenden Harnwege, also Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase oder Harnröhre, liegen. Wenn zu Beginn des Wasserlassens Blut im Urin zu sehen ist, ist die Ursache eher im Bereich der Harnröhre zu suchen. Bei einer »terminalen Makrohämaturie«, also wenn nur am Ende des Urinierens Blut im Urin ist, liegt die Ursache eher im Bereich des Blasenhalses. Und bei einer »totalen Makrohämaturie«, also wenn der Urin während des gesamten Wasserlassens rot verfärbt ist, in der Blase oder den Harnleitern und Nieren.