22. März 2021

Schlafstörungen bei Parkinson

Schlafstörungen zählen zu den häufigsten Beschwerden bei Parkinson-Patienten in allen Stadien der Erkrankung. Patienten berichten, dass sie schwer einschlafen, häufig aufgrund eines Restless Legs Syndroms, es kommt zu erhöhter Bewegungsaktivität während des Traumschlafes oder die Patienten haben Schwierigkeiten, durchzuschlafen. Schlafstörungen treten in allen Stadien der Parkinson-Erkrankung auf. Eine sorgfältige Diagnostik im Schlaflabor, zielgerichtete medikamentöse Behandlung und eine gute Schlafhygiene können Abhilfe schaffen.

Zu Beginn der Parkinson-Erkrankung wird oft eine allgemeine, unspezifische Veränderung des Schlafverhaltens berichtet, und bei bis zu 60% der Parkinson Patienten treten im Laufe der Erkrankung Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen auf. Viele Patienten klagen über vermehrtes Wasserlassen, wenn sie nachts aufwachen und können nicht erklären, ob sie wegen des Wasserlassens aufwachen oder ob sie zur Toilette gehen müssen, sobald sie wach sind.  Ungefähr 20-50% der Parkinson Patienten haben bei Diagnosestellung eine sog. REM-Schlafverhaltensstörung. Diese ist gekennzeichnet durch vermehrte Bewegungen im Traumschlaf, die auch zu Verletzungen des Patienten oder des Bettpartners führen können, dabei werden meist Lautäußerungen hörbar, oft Schreien oder Sprechen. Diese Aktionen werden durch lebhafte Träume ausgelöst, an die sich die Patienten am Morgen nur teilweise erinnern können. Viele schlafen trotz dieser Episoden weiter. Bettpartner oder Angehörige sind oft sehr verängstigt, da es sich um laute nächtliche Schreie handeln kann oder die Patienten auch aus dem Bett fallen können. Dies darf nicht mit nächtlichen Halluzinationen, also Phantasievorstellungen meist von Personen, verwechselt werden, die oft eine Nebenwirkung der Medikamente darstellen und anders behandelt werden müssen.

Restless Legs Syndrom stört den Schlaf

Weitere Schlafstörungen bestehen in einem Restless Legs Syndrom, dem „Syndrom der Unruhigen Beine“. Dies tritt bei Parkinson vor allem beim Einschlafen auf, mit Kribbeln oder Schmerzen in den Beinen, verbunden mit einem ausgeprägten Bewegungsdrang. Einige Patienten leiden vor allem gegen morgen an schmerzhaften Verkrampfungen der Muskeln, sogenannten frühmorgendlichen Dystonien. Diese treten vor allem bei Patienten auf, die bereits seit vielen Jahren erkrankt sind und sogenannte Wirkungsschwankungen tagsüber aufweisen. Diese Patienten klagen auch sehr häufig über eine nächtliche Unbeweglichkeit, so dass sie sich schlecht im Bett umdrehen können, Hilfe beim Aufstehen aus dem Bett benötigen und vor allem die Bewegungen in der zweiten Nachthälfte immer langsamer werden und teilweise schmerzhaft sind.

Tagsüber müde mit Parkinson

In der Schlafableitung (Polysomnographie) findet man regelmäßig zahlreiche Beinbewegungen (periodische Beinbewegungen im Schlaf, PLMS) und viele kleine Bewegungen der Extremitäten, als Zeichen der Unruhe im Schlaf und der gestörten Schlafrhythmik mit vielen Unterbrechungen. Die Tagesmüdigkeit mit vermehrtem Einschlafen tagsüber kann eine Folge dieser gestörten Rhythmik sein, ebenso können die Parkinson-Erkrankung selbst oder die Medikamente zu vermehrter Müdigkeit führen. Eine weitere wichtige Ursache können nächtliche Atemstörungen mit Atemaussetzern (Schlaf-Apnoe-Syndrom) sein.

Damit sind die Schlafstörungen bei Parkinson ein sehr vielschichtiges Problem und erfordern eine genaue Erfassung der Beschwerden und der einzelnen Symptome. Zusätzliche Fragebögen mit spezifischer Erfassung der Schlafstörung und des Schlafrhythmus sind hier hilfreich, denn meist besteht eine Kombination mehrerer Schlafstörungen, die dann zu einer ausgeprägten Beeinträchtigung der Nachtruhe führt.

Medikamente bei Schlafstörungen

Behandlungsstrategien können nur erfolgreich sein, wenn die einzelnen Beschwerden erkannt und zielgerichtet behandelt werden. So können gegen die nächtliche Bewegungsverlangsamung und Starre sowie die frühmorgendlichen Krämpfe dopaminhaltige Medikamente mit langer Wirksamkeit, sog. Retard-Präparate helfen, die am Abend verabreicht werden oder ein Pflaster, das auf die Haut geklebt wird, und 24 Stunden wirkt. Bei Einschlafstörungen sind kurzwirksame Schlafmittel oder niedrig dosierte Antidepressiva hilfreich. Gegen die heftigen Bewegungen der Traumschlafverhaltensstörung kann Clonazepam verabreicht werden, bei Restless Legs Beschwerden kleine Dosierungen von dopaminhaltigen Medikamenten oder auch einmal Opiate. Gegen die nächtlichen Atemaussetzer kann man den Patienten in einem Schlaflabor ein nächtliches Beatmungsgerät anpassen, ein sog. CPAP Gerät, das die Sauerstoffversorgung in der Nacht verbessert.