20. Januar 2021

Brustkrebsfrüherkennung per hochsensiblem Tastsinn

Blinde Spezialistin untersucht im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) der Paracelsus-Klinik Reichenbach jede interessierte Frau im Team mit Frauenärztin Dr. Annett Feist.

Das MVZ der Paracelsus-Klinik Reichenbach bietet ab Februar jeder interessierten Frau mit der Taktilographie eine neue Untersuchungsmethode zur Brustkrebsfrüherkennung an. Termine für die Sprechstunde (Mittwoch von 9.00 – 15.00 Uhr) können ab sofort unter der Telefonnummer 03765 54-2401 individuell vereinbart werden.

Früherkennung ist – auch in Corona-Zeiten – äußerst wichtig. Jede siebte Frau erhält im Laufe ihres Lebens eine Brustkrebsdiagnose. Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Die gute Nachricht: Brustkrebs ist heilbar, wenn er frühzeitig erkannt wird. Denn nicht der Tumor in der Brust ist lebensbedrohlich, sondern seine Metastasen, wenn er bereits in den Körper gestreut hat.

Eine ergänzende und sinnvolle Diagnosemethode für Brustkrebs ist die Taktilographie: eine sehr gründliche 30- bis 50-minütige Tastuntersuchung in drei Tiefenschichten der Brust. Die erfahrene Medizinisch-Taktile Untersucherin (MTU) Christine Kanetzki untersucht Frauen jeden Alters mit der Taktilographie-Methode. Jede interessierte Frau, egal ob Patientin im MVZ Reichenbach oder nicht, kann die Taktilographie dort wahrnehmen.

Christine Kanetzki ist blind und verfügt daher wie die meisten stark sehbehinderten Menschen über einen besonders sensiblen Tastsinn. Damit ertastet die Spezialistin etwa 30 Prozent mehr Gewebeveränderungen in der Brust als Ärzte, bei sehr kleinen Veränderungen sind es sogar 50 Prozent.

Christine Kanetzki ist beim Sozial- und Inklusionsunternehmen discovering hands angestellt, das blinde und stark sehbehinderte Frauen zu MTUs qualifiziert. Das Unternehmen discovering hands (www.discovering-hands.de) hat dieses Tätigkeitsfeld entwickelt und durch wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit der Taktilographie bestätigen lassen. Bereits 29 gesetzliche und alle privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten. Anderweitig versicherte Frauen können sie als IGeL-Leistung wahrnehmen.

„Wir haben mit Christine Kanetzki ein wirkungsvolles und nebenwirkungsfreies zusätzliches Diagnoseverfahren. Ich sehe in dieser Methode eine hilfreiche und sensible Ergänzung zu der üblichen Tastuntersuchung. Die Taktilographie stellt keinen Ersatz für das Mammographie-Screening oder die Sonographie der Brustdrüse dar, wird aber gerade von Patientinnen mit ‚Apparateangst‘ gern angenommen. Bei einem abklärungsbedürftigen Tastbefund stellt sich die Patientin immer zuerst bei ihrem behandelnden Frauenarzt vor” erklärt Dr. Annett Feist, Gynäkologin im MVZ Reichenbach.

Während der apparatefreien Untersuchung tastet die MTU nach einem standardisierten und evaluierten Verfahren die Brust der Patientin vollständig ab. Sie teilt der Ärztin bei einem auffälligen Befund mit, wo genau er sich befindet. Dr. Annett Feist stellt direkt im Anschluss aufgrund ihres Befundes die exakte medizinische Diagnose und nimmt, falls erforderlich, weitere Untersuchungen wie z.B. Ultraschall vor.

„Ich habe viel Zeit für meine Patientinnen und gebe ihnen Sicherheit“

„Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich so viel Zeit für meine Patientinnen habe und sie durch die regelmäßige Früherkennung gut versorgt weiß“, erzählt die Tastexpertin. „Ich bin ihre Zuhörerin und Ratgeberin und kann ihnen Sicherheit geben, auch weil ich mich laufend fortbilde.“

Christine Kanetzki wohnt mit ihrem Lebensgefährten, drei Kindern und vielen Tieren auf einem Bauernhof. Sie wurde in Schwerin geboren, besuchte die Blindenschule, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und machte in Hannover an der Fachhochschule mit lauter Sehenden ihr Wirtschaftsabitur. Seit 2014 arbeitet sie als MTU.

INFO Taktilographie:

94 % der Patientinnen würden die Taktilographie erneut wahrnehmen, 99 % weiterempfehlen. (Quelle: dicovering hands)

Die Taktilographie als zusätzliche Diagnosemethode ist in jedem Alter sinnvoll: Für Frauen ab 50 bietet sie in Kombination mit dem Mammographie-Screening und der jährlichen Untersuchung durch den Gynäkologen eine optimale Früherkennung. Jüngeren Frauen bietet sie umso mehr Sicherheit. Eine Studie des Brustforschungszentrum der Universität Erlangen ergab, dass die Patientinnen äußerst zufrieden mit der MTU-Untersuchung sind. Sie schätzen die Ausführlichkeit und die Zuwendung der MTUs sehr. Eine wichtige Rolle spielt auch die psychologische Betreuung der Patientinnen.