Hodenhochstand

Der Hodenhochstand (Hodenretention, Hodendystopie) bezeichnet die häufigste angeborene Fehlbildung des Urogenitaltrakts. Beim Hodenhochstand befindet sich mindestens ein Hoden nicht im Hodensack (Skrotum), wo er sein sollte, sondern im Leistenkanal oder im unteren Bauchraum. Betroffen sind im Durchschnitt drei Prozent der Neugeborenen, unter den Frühgeborenen ist der Anteil noch wesentlich höher (rund 30 Prozent). Bei 20 Prozent der Fälle handelt es sich um einen beidseitigen (bilateralen) Hodenhochstand. 

Liegt ein Hoden zunächst in der richtigen Position und verlagert sich erst später, liegt ein sekundärer Hodenhochstand vor. Bei ca. 1,5 Prozent der Jungen kann ein Hoden, der bei der Geburt im Hodensack lag, in den Leistenkanal aufsteigen und dort dauerhaft liegen bleiben.

Ein Hodenhochstand muss nicht immer sofort behandelt werden. In rund 70 Prozent der Fälle  wandern Hoden während der ersten sechs Lebensmonate von selbst ins Skrotum (spontaner Deszensus). Danach geschieht dies nur noch selten, und es besteht Handlungsbedarf. Wenn die Hoden längere Zeit im Körperinneren verbleiben, kann das Hodengewebe irreversible Schäden davontragen, da die normale Körpertemperatur für die Hoden zu hoch ist. Ein zu spät oder nicht behandelter Hodenhochstand kann im Erwachsenenalter zu Zeugungsunfähigkeit führen, auch steigt das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, deutlich an. 

Um entsprechende Spätfolgen zu verhindern, sollte die Therapie des Hodenhochstandes möglichst um den zwölften Lebensmonat herum beendet sein. Die Behandlung erfolgt durch eine operative Verlagerung des Hodens in den Hodensack. In ausgewählten Fällen kann auch alternativ oder zusätzlich eine Hormontherapie erfolgen. 

Ausprägungen des Hodenhochstands:

Je nachdem, wo der oder die Hoden positioniert sind, spricht man von: 

Bauchhoden (Retentio testis abdominalis):
In diesem Fall ist der Hoden in der Bauchhöhle geblieben. Da er von außen nicht tastbar ist, lässt sich ein Bauchhoden nur schwer lokalisieren.

Leistenhoden (Retentio testis inguinalis):
Hier befindet sich der Hoden im Leistenkanal. 

Gleithoden (Retentio testis präscrotalis):
Der Hoden befindet sich im untersten Teil des Leistenkanals, knapp oberhalb des Hodensacks. Ein Gleithoden kann zwar kurzzeitig in den Hodensack geschoben werden, er gleitet aber sofort wieder in seine ursprüngliche Position zurück. 

Pendelhoden (Retractile testis):
Der Hoden liegt zwar im Hodensack, wird aber bei äußeren Reizen wie Kälte, Stress oder Erregung zeitweilig in den Leistenkanal zurückgezogen. Verantwortlich hierfür ist ein Reflex des im Samenstrang verlaufenden Muskels. Pendelhoden sind zunächst nicht operationsbedürftig, müssen aber kontrolliert werden.

Diagnostische Möglichkeiten:

Tastuntersuchung:
Die wichtigste Untersuchungsmethode zur Feststellung eines Hodenhochstandes ist die Tastuntersuchung. Durch genaues Abtasten des Babys zeigt sich, ob beide Hoden im Hodensack tastbar sind. Ist dies nicht der Fall, kann das auf einen Hodenhochstand hinweisen. Wichtig ist, dass die Untersuchung in warmer, stressfreier Umgebung stattfindet. Bei weinenden Kindern oder bei Kälte zieht sich der Hodensack zusammen, und der Hoden kann kurzzeitig in den Leistenkanal zurückgezogen werden (Retrahierung des Hodens durch den Kremasterreflex).

Ultraschalluntersuchung:
Ist einer oder sind beide Hoden nicht tastbar, wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt.

Bauchspiegelung (Laparoskopie):
Sind beide Hoden nicht auffindbar, sollte zunächst ein Hormontest durchgeführt werden, um zu überprüfen, ob das Kind Hoden besitzt. Im Anschluss daran können mittels Laparoskopie die Hoden gesucht werden. Bei der Bauchspiegelung wird eine Sonde durch die Bauchdecke eingeführt und zeigt eindeutig, wo sich der Hoden befindet. Eine Laparoskopie muss unter Vollnarkose vorgenommen werden.

MRT:
Eine Magnetresonanztomografie (MRT) wird nur noch in sehr seltenen Fällen durchgeführt.

Behandlungsmöglichkeiten:

Während der ersten sechs Lebensmonate sollte noch keine Behandlung des Hodenhochstandes erfolgen, da sich der Hoden von selbst in den Hodensack absenken kann. Wenn dies jedoch nicht geschieht, ist eine Behandlung notwendig und sollte um den zwölften Lebensmonat herum abgeschlossenen sein.

In bestimmten Fällen kann zunächst eine Hormontherapie eingesetzt werden, die üblicherweise über ein Nasenspray erfolgt.

Häufig ist jedoch eine Operation notwendig, um den Hoden in die richtige Position zu bringen.

In der kinderurologischen Sprechstunde der Paracelsus-Klinik Golzheim beantwortet das ärztliche Team um Kinderurologin Dr. med. Sarah Nolte alle Fragen zum Hodenhochstand und erarbeitet zusammen mit den betroffenen Eltern einen detaillierten Diagnose- und Behandlungsplan.