Belastungsinkontinenz

Frauen, die an einer Belastungsinkontinenz leiden, verlieren plötzlich und ohne Dranggefühl Urin. Besonders dann, wenn sie sich körperlich betätigen, zum Beispiel etwas heben oder Treppen steigen, ebenso beim Niesen oder Husten, aber auch während des Geschlechtsverkehrs. Schwangerschaften, Geburten, Übergewicht, aber auch Bindegewebsschwächen können hierbei der Grund für die Inkontinenz sein. Selbst junge Frauen leiden unter der Belastungs-Inkontinenz. Viele gehen mit ihren Beschwerden, die für sie eine massive Verschlechterung der Lebensqualität bedeutet, aus Scham nicht zu einem Arzt. Dabei kann ihnen meist sehr gut geholfen werden und ein Leben ohne Binden oder Einlagen wird wieder möglich.

Je nach Alter und der bereits bestehenden Dauer der Inkontinenz kann den Frauen auf konservativem Weg – z. B. mit einem speziellen Physiotherapieangebot – gut geholfen werden. Es sei denn, der Harnverlust ist sehr häufig und auch schon über viele Jahre oder Jahrzehnte „Routine“. Dann hilft meist nur noch eine Operation, z.B. die sog. Schlingen-Operation (TVT), eine schonende OP, bei der über die Scheide ein künstliches Band unter die Harnröhre gelegt wird, welches den Beckenboden unterstützt.

Belastungsinkontinenz beim Mann

Nach Operationen an der Prostata oder der Prostataentfernung bei Prostatakrebs kann es zu einer Belastungsinkontinenz kommen. Die Kraft des Schließmuskels reicht zum Verschluss der Harnröhre bei Belastung nicht aus. Für Männer gibt es spezielle Behandlungsformen, den Harnverlust zu minimieren.

Erfolgreich ist oft die sogenannte Band-OP, auch "Schlinge für den Mann" genannt. Mit dieser speziellen Operationstechnik versucht man, die ursprüngliche Anatomie des männlichen Harnapparates wieder herzustellen. Ein etwa vier Zentimeter großer Schnitt ist hier nötig. Der Chirurg legt den hinteren Harnröhrenteil frei und positioniert ein Band aus einem netzförmigen Kunststoffmaterial (Polypropylen). Der Schließmuskel wird so in seiner Funktion unterstützt und es kommt nicht mehr zum unfreiwiligen Harnverlust. Komplikationen sind selten und die Erfolgsquote ist hoch. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt kann der Patient dann wieder nach Hause.

Wenn alle Methoden versagen, kann auch ein künstlicher Schließmuskel eingesetzt werden. Dabei verschließt ein aufblasbares Ballonsystem die Harnröhre. Mittels einer unter der Haut liegenden kleinen Pumpe kann der Patient das System beliebig steuern. Die mit Flüssigkeit gefüllte Manschette umschließt mit sanftem Druck die Harnröhre. Zum Wasserlassen wird die Manschette durch mehrmaliges Drücken der Pumpe geöffnet. Damit fließt die Flüssigkeit aus der Manschette in den Ballon. Da die leere Manschette die Harnblase nicht mehr verschließt, kann sich der Harn aus der Blase entleeren. Die Flüssigkeit fließt dann in wenigen Minuten zurück in die Manschette und verschließt damit die Harnröhre erneut.