Vortrag Prostatakarzinom

Prostatakarzinom: Aktuelle Diagnose- und Therapiemöglichkeiten

Prof. Dr. Johannes M. Wolff, Chefarzt der Urologie und Ärztlicher Direktor der Paracelsus-Klinik Düsseldorf Golzheim informierte am 5. April in der Vortragsreihe „Urologie im Dialog“ umfassend zum derzeitigen Stand der Wissenschaft und zu unterschiedlichen Behandlungskonzepten. Rund 40 Besucher waren ins Pressezentrum der Rheinischen Post gekommen und hatten die Möglichkeit, individuelle Fragen zu stellen und Diagnose- und Therapiemodelle zu diskutieren.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Deutschlandweit erkranken jährlich mehr als 63.000. Männer neu daran, 90 % von ihnen sind über 60 Jahre alt. Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, umkleidet den Anfangsteil der Harnröhre. An ihre Rückseite grenzt der Mastdarm, deshalb kann sie vom Enddarm aus mit den Fingern ertastet und beurteilt werden. In der Prostata wird ein Teil der Samenflüssigkeit produziert. Dieses Sekret bildet zusammen mit den Samenzellen aus dem Hoden, dem Sekret der Samenblase und der Cowperschen Drüse das Sperma. Die Funktion der Prostata wird über das Hormon Testosteron reguliert. Die Hauptaufgabe der Prostata ist die Sekretbildung.

Wenn im Zusammenhang mit der Prostata Symptome auftreten, die auf eine Veränderung hindeuten, sollte dies möglichst schnell abgeklärt werden. Denn je früher eine sichere Diagnose vorliegt, dass es sich tatsächlich um ein Prostatakarzinom handelt, umso besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und damit auch die Heilungschancen. Deshalb sollten Männer ab dem 45. Lebensjahr unbedingt die gesetzliche Früherkennung in Anspruch nehmen, auch wenn keine der typischen Beschwerden auftreten.

Klare Diagnose durch die MRT-gestützte Fusionsbiopsie

Neben dem Tastbefund und einer Ultraschalluntersuchung durch den Enddarm wird der Verdacht auf Prostatakrebs durch eine Bestimmung des PSA-Wertes im Blut ergänzt. Das prostataspezifische Antigen, kurz PSA, ist ein Eiweißstoff, der nur in der Prostata gebildet wird und im Blut nachgewiesen werden kann. Beim Prostatakarzinom ist die PSA-Konzentration (meist) erhöht. Eine Gewebeuntersuchung unter dem Mikroskop (Gewebebiopsie) schafft Gewissheit, ob es sich tatsächlich um Prostatakrebs handelt. Die Gewebeentnahme erfolgt unter Ultraschallkontrolle vom Enddarm oder vom Damm aus mit einer Stanznadel. Die Untersuchung der Gewebeproben durch den Pathologen gibt Klarheit darüber, ob ein Karzinom vorliegt und wie aggressiv das Wachstum ist.

Die MRT-gestützte Fusionsbiopsie stellt ein neues und sehr genaues Untersuchungsverfahren dar und wird nur von wenigen Kliniken angewendet. Hierbei wird zunächst bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom eine hochauflösende MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomographie) der Prostata durchgeführt. Tumorverdächtige Areale können dabei identifiziert und genau lokalisiert werden. Die entstandenen MRT-Aufnahmen werden dann mit den aktuellen Ultraschallbildern überlagert (fusioniert) und ermöglichen so den Nachweis auch kleinster und/oder vereinzelter Prostatakarzinome. Die Fusionsbiopsie ermöglicht es, auffälliges Gewebe wesentlich punktgenauer und exakter zu entnehmen und zu untersuchen.

Die Diagnose Prostatakrebs ist kein Grund zur Verzweiflung, denn für wenig andere Tumoren gibt es so vielversprechende Behandlungsstrategien. Die Paracelsus-Klinik Golzheim verfügt über ein breit gefächertes Therapieangebot für ihre Patienten: Bei jüngeren Patienten empfiehlt sich eine operative Entfernung der Prostata, insbesondere wenn der Tumor noch auf das Organ beschränkt ist. Die Operation kann sowohl „offen“, das heißt mit Bauchschnitt erfolgen, als auch minimalinvasiv, mit der so genannten „Schlüssellochmethode“. In bestimmten Fällen besteht die Möglichkeit, wenige, lokal begrenzte Tumorherde zu zerstören. Dazu plant die Paracelsus-Klinik Golzheim neben hochintensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU) die Irreversible Elektroporation (IRE) sowie die photodynamische Therapie einzusetzen. Mit diesen Behandlungsverfahren lässt sich das Organ Prostata erhalten. Besteht ein hohes Operationsrisiko oder lehnt der Patient eine Operation kategorisch ab, kommt heutzutage auch eine Strahlentherapie alternativ zu den genannten Operationsverfahren in Betracht. Bei einigen, beschwerdefreien Patienten mit einer günstigen Tumorkonstellation ist oftmals eine engmaschige Beobachtung bereits ausreichend (aktive Überwachung). Erst wenn die Erkrankung weiter fortschreitet und Beschwerden mit sich bringt, werden weitere Behandlungsmöglichkeiten eingesetzt. Daneben setzt die Paracelsus-Klinik Golzheim eine hormonblockierende Therapie ein, die dafür sorgt, dass kein Testosteron mehr gebildet wird. Auf diese Weise lässt sich das Wachstum des Karzinoms oft für Jahre zum Stillstand bringen. Auch die Chemotherapie kann in späteren Stadien eine wirksame Option sein.

Individuelle Planung und Abstimmung der Therapie

Die Urologische Onkologie in der Paracelsus-Klinik Golzheim behandelt Krebserkrankungen im Urogenitalbereich umfassend und auf hohem Niveau. Da die moderne Krebstherapie fast immer eine Kombination unterschiedlicher Behandlungsbausteine darstellt, ist die individuelle Planung und Abstimmung der einzelnen Therapieschritte entscheidend für den Behandlungserfolg. Auch Nebenwirkungen der Therapie und parallel vorhandene weitere Erkrankungen, wie sie bei onkologischen Patienten häufig vorkommen, müssen für ein tragfähiges Therapie- und Nachsorgekonzept berücksichtigt werden. Daher ist es der urologischen Fachklinik Golzheim besonders wichtig, bei der Beratung und Betreuung ihrer Patienten neben ihrer körperlichen und seelischen Befindlichkeit auch ihr individuelles Lebenskonzept sowie soziale und spirituelle Bedürfnisse mit einzubeziehen.

Diagnoseverfahren:

  • Tastuntersuchung
  • PSA-Bestimmung
  • Gewebebiopsie
  • MRT-gestützte Fusionsbiopsie

Therapieoptionen:

  • Operation (offen oder laparoskopisch)
  • Organerhaltende Verfahren:
    (hochintensiv fokussierter Ultraschall (HIFU), Irreversible Elektroporation (IRE), photodynamische Therapie)
  • Aktive Überwachung
  • Hormontherapie
  • Chemotherapie
  • Bestrahlung
  • Schmerztherapie

Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen!

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Prostatauntersuchung ab dem 45. Lebensjahr. Gerade bei Männern mit familiärer Vorbelastung (bis zu zehn Prozent der Prostatakarzinome sind vererbt) wird jedoch die Vorsorgeuntersuchung bereits ab dem 40. Lebensjahr empfohlen. Die Untersuchung sollte einmal im Jahr durch einen Facharzt für Urologie erfolgen.

Unter http://urologennetz-duesseldorf.de/mitglieder/ finden Sie den passenden Facharzt in Ihrer Nähe.

Vortragsreihe Urologie im Dialog 2017

In leicht verständlichen und fachlich fundierten Vorträgen widmen sich die Fachärzte der Paracelsus-Klinik Golzheim unterschiedlichen urologischen Erkrankungen. Interessierte und Betroffene sind herzlich eingeladen, sich umfassend zu informieren. Im Anschluss an die Vorträge besteht ausreichend Gelegenheit zur Diskussion.