Vortrag Prostatakarzinom

Urologische Tumoren: Neue Optionen in der Diagnostik und Therapie

Prof. Dr. Johannes M. Wolff, Chefarzt der Urologie und Ärztlicher Direktor der Paracelsus-Klinik Düsseldorf Golzheim informierte am 11. Oktober in der Vortragsreihe „Urologie im Dialog“ umfassend zum derzeitigen Stand der Wissenschaft und zu unterschiedlichen Behandlungskonzepten bei urologischen Tumoren. Rund 20 Besucher waren ins Pressezentrum der Rheinischen Post gekommen und hatten die Möglichkeit, individuelle Fragen zu stellen und Diagnose- und Therapiemodelle zu diskutieren.

Wer an urologische Tumorerkrankungen denkt, hat häufig lediglich das Thema Prostatakrebs im Blick. Dies liegt nahe, schließlich erkranken jährlich 63.000 Männer neu daran. Aber auch bei den übrigen Organen des Uro-Genitaltraktes kann es zu bösartigen Veränderungen kommen. Tumorerkrankungen der Nieren und der ableitenden Harnwege gehören ebenfalls – bei Männern – zu den häufigsten Krebsneuerkrankungen. Auch Hodenkrebs ist ein urologisches Tumorleiden, das jedoch weitaus seltener auftritt und, eher ungewöhnlich, mehrheitlich bei jungen Männern.

Prostatakrebs ist die häufigste urologische Krebserkrankung
Wie bei vielen anderen Krebsarten verhält es sich auch beim Prostatakrebs; der Betroffene bemerkt lange nichts von dem wachsenden Tumor. Symptome, die möglicherweise auf eine bösartige Veränderung hindeuten, werden häufig zunächst nicht ernst genommen. Häufiger Harndrang, besonders nachts, schwacher oder unterbrochener Harnfluss mit dem Gefühl der unvollständigen Entleerung, Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, Erektionsstörungen und verminderte Lust sowie Blut in Urin oder Samenflüssigkeit sollten jedoch sofort abgeklärt werden. Denn je früher eine sichere Diagnose vorliegt, dass es sich tatsächlich um ein Prostatakarzinom handelt, umso besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und damit auch die Heilungschancen.
Neben dem Tastbefund und einer Ultraschalluntersuchung durch den Enddarm wird der Verdacht auf Prostatakrebs durch eine Bestimmung des PSA-Wertes im Blut ergänzt. Beim Prostatakarzinom ist die PSA-Konzentration (meist) erhöht. Jedoch können auch andere Auslöser verantwortlich für eine erhöhte PSA-Konzentration sein. Einzig eine Gewebeuntersuchung unter dem Mikroskop (Gewebebiopsie) schafft Gewissheit, ob es sich tatsächlich um Prostatakrebs handelt. Die Paracelsus-Klinik Golzheim nutzt mit der MRT-gestützten Fusionsbiopsie ein neues und sehr genaues Untersuchungsverfahren, das nur von wenigen Kliniken angewendet wird. Hierbei wird zunächst eine hochauflösende MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomographie) der Prostata durchgeführt. Die entstandenen MRT-Aufnahmen werden dann mit den aktuellen Ultraschallbildern überlagert (fusioniert) und ermöglichen so den Nachweis auch kleinster und/oder vereinzelter Prostatakarzinome. Die Fusionsbiopsie ermöglicht es, auffälliges Gewebe wesentlich punktgenauer und exakter zu entnehmen und zu untersuchen. Wenn sich der Verdacht auf ein Prostatakarzinom bestätigt hat, besprechen die Ärztinnen und Ärzte der Paracelsus-Klinik Golzheim die geeignete Therapie mit dem Patienten.
 
Bei jüngeren Patienten empfiehlt sich eine operative Entfernung der Prostata, insbesondere wenn der Tumor noch auf das Organ beschränkt ist. Die Operation kann sowohl „offen“, das heißt mit Bauchschnitt erfolgen, als auch minimalinvasiv, mit der so genannten „Schlüssellochmethode“. In bestimmten Fällen besteht die Möglichkeit, wenige, lokal begrenzte Tumorherde zu zerstören. Besteht ein hohes Operationsrisiko oder lehnt der Patient eine Operation kategorisch ab, kommt heutzutage auch eine Strahlentherapie alternativ zu den genannten Operationsverfahren in Betracht. Bei einigen, beschwerdefreien Patienten mit einer günstigen Tumorkonstellation ist oftmals eine engmaschige Beobachtung bereits ausreichend (aktive Überwachung). Daneben setzt die Paracelsus-Klinik Golzheim eine hormonblockierende Therapie ein, die dafür sorgt, dass kein Testosteron mehr gebildet wird. Auch die Chemotherapie kann in späteren Stadien eine wirksame Option sein.

Größter Risikofaktor für Harnblasenkarzinome: das Rauchen
Erkrankungen der Blase wie Blasenentzündung oder Blasensteine machen sich meist durch vermehrten Harndrang und Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen bemerkbar. Im Gegensatz dazu entwickelt sich Blasenkrebs oft über einen langen Zeitraum hinweg unauffällig, das heißt, „klassische“ Symptome zeigen sich erst recht spät. Eins der wichtigsten Anzeichen, das auf eine Blasenkrebserkrankung hinweisen könnte, ist Blut im Urin, vor allem beim schmerzlosen Wasserlassen. Der größte Risikofaktor für eine Blasenkrebserkrankung ist das Rauchen. Auch der Kontakt mit bestimmten chemischen Stoffen, wie zum Beispiel Haarfärbemittel, gilt als Auslöser. Ebenso steigt das Erkrankungsrisiko bei Personen, die langjährig in der Textil-, Leder- oder Farbindustrie beschäftigt waren. Je früher ein Tumor erkannt wird, umso besser sind die Behandlungschancen. Neuartige Diagnosemethoden wie das Narrow Band Imaging-Verfahren (NBI)  und die Photodynamische Diagnostik (PDD) ermöglichen es Chefarzt Professor Dr. Wolff und seinem Team, auch sehr kleine tumorverdächtige Stellen in der Blasenschleimhaut in einem frühen Stadium zu erkennen und noch während der Untersuchung Gewebeproben zu entnehmen.

Nierenkrebs wird häufig durch Zufall entdeckt
Bei Tumorerkrankungen der Niere wird zwischen Tumoren des Nierenbeckens (Urothelkarzinome) und des Nierengewebes (Nierenzellkarzinome) unterschieden. Bösartige Veränderungen des Nierengewebes gehören zu den eher seltenen Krebserkrankungen, jedoch steht das Nierenzellkarzinom an dritter Stelle bei den urologischen Tumoren, mit steigender Tendenz. Die Erkrankung wird häufig durch Zufall entdeckt, etwa bei einer Routine-Ultraschalluntersuchung. Laboruntersuchungen und eine Computertomographie geben schließlich Aufschluss darüber, ob ein Tumor in der Niere vorliegt oder nicht. Um festzustellen, aus welcher Art von Gewebe sich der Tumor entwickelt hat, wird unter Umständen eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie).
Ist die Erkrankung eindeutig diagnostiziert, folgt in den meisten Fällen eine Operation. Neben der operativen Entfernung der gesamten Niere besteht in einigen Fällen die Möglichkeit, das Organ so weit als möglich zu erhalten und nur das befallene Gewebe zu entfernen (Nierenteilresektion / Tumorenukleation). Hat sich der Tumor bereits organübergreifend ausgebreitet, gestaltet sich die weitere Behandlung schwieriger, da Nierenzellkarzinome weder auf eine Chemotherapie noch auf eine Hormon- oder Strahlentherapie positiv reagieren. Neben den operativen Möglichkeiten beschreitet die Paracelsus-Klinik Golzheim auch andere Wege und setzt eine neue und vielversprechende Therapiemethode ein: die Immuntherapie mit den so genannten Checkpoint-Inhibitoren. Damit soll die Tumorabwehrreaktion des Immunsystems wiederhergestellt werden, so dass die Tumorzellen durch körpereigene T-Zellen zerstört werden.

Sehr gute Heilungschancen bei Hodenkrebs
Hodenkrebs ist mit einem Anteil von etwa zwei Prozent aller Krebsneuerkrankungen eine eher seltene Tumorerkrankung. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken jedes Jahr rund 5.300 Männer an einem bösartigen Hodentumor. Trotz dieser Seltenheit ist der Hodentumor bedeutsam, weil er vor allem junge Männer zwischen 20 und 40 Jahren betrifft. In dieser Altersstufe ist er – mit 20 bis 30 Prozent aller Krebsfälle – die häufigste Tumorneuerkrankung des Mannes. Im Frühstadium wird Hodenkrebs praktisch immer geheilt. Selbst in fortgeschrittenen Stadien besteht eine gute Heilungschance.
Die wichtigsten Symptome bei Hodenkrebs sind tastbare, schmerzlose und harte Schwellungen des Hodens oder Knoten im oder am Hoden. 80 % aller Hodentumoren werden im Frühstadium von Patienten selbst erkannt. Bei einem entsprechenden Verdacht sind weitere diagnostische Maßnahmen notwendig: Neben einer Ultraschalluntersuchung werden Blutproben entnommen, um Tumormarker zu bestimmen. Auch die Hormone und das Testosteron werden auf diese Weise entsprechend untersucht. Gewissheit bringt eine feingewebliche Untersuchung. In der Regel wird der betroffene Hoden operativ freigelegt und entfernt (Orchiektomie). Im gleichen Eingriff erfolgt eine Probeentnahme vom Hoden der anderen Seite, um eine Vorstufe eines Hodentumors auszuschließen. Das Gewebe wird zum Pathologen zur feingeweblichen Untersuchung geschickt. Die Hoden enthalten unterschiedliche Zelltypen, aus denen sich jeweils eine bösartige Geschwulst entwickeln kann. Etwa 90 Prozent aller bösartigen Tumoren des Hodens gehen von Keimzellen aus. Man spricht daher auch von Keimzelltumoren.

Individuelle Planung und Abstimmung der Therapie
Die Urologische Onkologie in der Paracelsus-Klinik Golzheim behandelt Krebserkrankungen im Urogenitalbereich umfassend und auf hohem Niveau. Der Chefarzt der Abteilung Uro-Onkologie, Prof. Dr. med. H. J. Schütte ist ein seit Jahrzehnten auf die Behandlung von Tumorerkrankungen spezialisierter Onkologe. Da die moderne Krebstherapie fast immer eine Kombination unterschiedlicher Behandlungsbausteine darstellt, ist die individuelle Planung und Abstimmung der einzelnen Therapieschritte entscheidend für den Behandlungserfolg. Auch Nebenwirkungen der Therapie und parallel vorhandene weitere Erkrankungen, wie sie bei onkologischen Patienten häufig vorkommen, müssen für ein tragfähiges Therapie- und Nachsorgekonzept berücksichtigt werden. Daher ist es der urologischen Fachklinik Golzheim besonders wichtig, bei der Beratung und Betreuung ihrer Patienten neben ihrer körperlichen und seelischen Befindlichkeit auch ihr individuelles Lebenskonzept sowie soziale und spirituelle Bedürfnisse mit einzubeziehen.

Vortragsreihe Urologie im Dialog

In leicht verständlichen und fachlich fundierten Vorträgen widmen sich die Fachärzte der Paracelsus-Klinik Golzheim unterschiedlichen urologischen Erkrankungen. Interessierte und Betroffene sind herzlich eingeladen, sich umfassend zu informieren. Im Anschluss an die Vorträge besteht ausreichend Gelegenheit zur Diskussion.